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Ich hatte Glück und landete nicht als Knackwurst zwischen zwei pappigen Brötchenhälften, sondern in den Händen zweier lieber Menschen: Ellen und Achim Sander. Von da an ging es mit mir wieder aufwärts.
Klar, ich gab meinen Trick mit dem Lahmen nicht sofort preis, schließlich sind wir Trakehner auch ein bisschen mißtrauisch. Ich testete also erst mal aus, was ich den Beiden wert war – ein paar Untersuchungen in einer Luxusklinik mussten sie schon locker machen, um einen wie mich von ihrer Ehrlichkeit zu überzeugen. Die Zwei haben den Test bestanden und schon bald wuchs mein Hasenherz wieder auf eine anständige Größe. Ich genoss gerade meine neu gewonnene Freiheit, als meine lieben Besitzer auf einmal mit einem jungen Spund auftauchten: “Guck’ mal! Das ist Dein neuer Freund, Dorado.” Ich dachte ich guck’ nicht richtig! So ein Rotzlöffel hatte mir gerade noch gefehlt. Die ersten Tage ging der mir mit seinem jugendlichen Blödsinn wirklich auf den Keks. Meine Besitzer und die Frau in der grünen Reithose standen verzückt am Zaun und bewunderten das nervöse Rumgezappel meines neuen Kollegen. Mein Gott, hat der sich aufgespielt! Naja, mittlerweile finde ich ihn ganz nett auch wenn er mir schon dreimal meinen Lieblingsschlafanzug zerbissen hat. So sind sie halt, die jungen Pferde. Jetzt habe ich Dorado ganz gut im Griff und wenn er mir dumm kommt, gibt’s ein paar hinter die grünen Ohren! Ach ja, ich habe auch eine neue Freundin - Louisa. Eine Hand wie Butter und schlecht sieht sie auch nicht aus. Mit der kann man sich auf den örtlichen Turnieren wirklich sehen lassen. Was mich am meisten freut, ist, dass Ellen und Achim stolz auf mich sind. Klar, auf meine alten Tage, bin ja schon 10, piaffiere ich nicht durch die Bahn oder drehe hitverdächtige Pirouetten, aber für eine anständige A-Dressur reicht es noch immer. Apropos Dressur, es hat ziemlich lange gedauert, bis mein Herrchen sich getraut hat, mich mal anständig springen zu lassen. Jetzt wo meine kleine Freundin Louisa, 17 j . und ganz schön schnuckelig, auch Spaß daran hat, üben wir für größere Aufgaben. Ich glaube, so´n L-Parcour kann ich im nächsten Jahr bestimmt erfolgreich abschliessen. Na, schau´n wir mal. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass nur noch nette Menschen auf meinem Rücken sitzen und mir niemals wieder einer im Maul rumzerrt. Lieber ziehe ich einen Karren von Mölln nach Königsberg zurück, als mich noch mal so behandeln zu lassen. Das hat unsereins ja gar nicht nötig. Und falls doch einer auf die blöde Idee kommt, dann lernt der meinen Besitzer aber richtig kennen!
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