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Tagebuch eines Pferdes

Dressurlehrgang Joop 3

Da liegt man schön entspannt auf der Weide, die Abendsonne wärmt den Pelz, die Grashalme duften herrlich und dann kommen sie schon wieder. Die drei Menschen, die aus mir einen Topsportler machen wollen. Na ja, ist ja auch gar nicht soweit hergeholt, schließlich kann sich meine Ahnentafel durchaus sehen lassen. Ich bin nämlich, das sollten Sie wissen, ein Sohn des berühmten Anglo Arabers Decoration AA, dessen Vater, Gott hab’ ihn selig, Matcho XX ist. Die ganze Bande ist entfernt mit Inschallah verwandt. Und den kennen Sie ja bestimmt.

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Einer der drei Menschen, die die mich meistens reitet, behauptet, dass man mir den Matcho manchmal anmerkt. Ganz schön frech, oder? Na ja, alles in allem kann ich mich nicht beklagen. Die sind alle ganz nett, besonders meine Besitzerin, die ist nämlich eine Pferdeflüsterin! Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Nicht umsonst suchen wir Tiere ständig ihre Nähe. Sie hat so eine beruhigende Stimme und kraulen kann sich auch ganz herrlich. Der Mann, also mein Besitzer, hat sich damals für mich entschieden - als ich noch anderen Leuten gehörte und es mir nicht so gut ging. Der hat mich angesehen und gesagt: “Den will ich!” Obwohl alle anderen gesagt haben, ich wäre nicht ganz dicht und niemals zu reiten. Von wegen. Nachdem ich gemerkt habe, dass die wirklich nett sind und viel von Pferden verstehen – obwohl die ja nicht mal pferdisch reden können – habe ich mich von meiner besten Seite gezeigt. Heute bin ich froh und meistens glücklich, wenn meine Besitzer abends in den Stall kommen und mich verwöhnen; mit Wurzeln, Äpfeln, Weintrauben oder Streicheleinheiten. Dass das Leben so schön sein kann!

Dass das Leben nicht immer so schön war, habe ich ja schon mal kurz angedeutet. Damals war ich noch ganz klein und stand meistens alleine auf der Weide oder, das war ganz schlimm, in der Box. Mein Bruder hatte sich schlimm verletzt und meine damalige Besitzerin hat sich nicht so richtig an mich rangetraut. Klar, ich war ziemlich wild, aber wenn man mich die ganze Zeit einsperrt und sich kaum um mich kümmert? Irgendwie musste ich mich ja verständlich machen. Schließlich war ich damals ein Hengst. Apropos Hengst – wenn ich meinen Besitzern etwas wirklich übel nehme, obwohl die ja echt klasse sind, dann die Tatsache, dass sie mir meine Männlichkeit geraubt haben. Mir, dem stolzen Erben hochkarätigen Blutes, einem Sohn des Decoration AA und einem Enkel des Matcho XX! Na ja, nun ist es eh’ zu spät, die Klöten sind ab. Aber auf schöne Frauen stehe ich immer noch. Für die Zukunft wünsche ich mir, das alles so bleibt wie es ist. Ich möchte auf keinen Fall zu neuen Besitzern, denn bessere als jetzt gibt es gar nicht. Außerdem möchte ich künftig ein paar Turniere gewinnen, aber das erzähle ich meiner Reiterin noch nicht, weil das eine Überraschung werden soll.

Schmuser-licht
VS-Lehrg-Valluhn okt-2006 007
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